Von Leichen, die in Eichen singen …

Die ersten Seiten der Rohfassung sind geschrieben.
Der Held agiert – wie es sich gehört – heldenhaft, die Schurken sind hinreichend gewissenlos. Alles läuft bisher planmäßig.
Der Bodycount, das ist die Anzahl der Leichen in einem Krimi oder Thriller, ist noch ausbaufähig, aber es sind ja noch ein paar Seiten Zeit.

Wenn ich meine Rohfassung schreibe, dann orientiere ich mich an meinem Plot, den ich vorher verfasst habe. Neue Ideen, die mir beim Schreiben kommen, lasse ich grundsätzlich zu. Regelmäßig gleiche ich aber mein Manuskript mit dem Plot ab, um frühzeitig zu erkennen, ob ich Plot oder Rohfassung ändern muss, damit am Ende ein in sich schlüssiger, spannender Roman herauskommt.

Ein Beispiel aus der Praxis:

In meinem Manuskript lese ich:
„Auf den untersten Zweigen der Eiche hockten zwei Leichen und sangen.“

Zuerst stutzt der Autor. Dann lohnt es sich, systematisch vorzugehen.
1. Prüfung des Plots
Habe ich die zwei Leichen in meinem Plot berücksichtigt? Wenn ja, wird ausreichend begründet, weshalb sie gerade dort singen?

2. Wenn die singenden Leichen nicht im Plot berücksichtigt sind, stellt sich die Frage, ob die Idee originell ist und Spannung verspricht.

In meinem Plot tauchen die Leichen bisher nicht auf , aber die Idee ist originell.
Außerdem ist das Problem der Titelfindung gelöst: „Harper und die singenden Leichen“

3. Also muss der Plot nun entsprechend geändert werden.
Dies ist nun das Problem, welches professionell gelöst werden muss. Seit einigen Tagen führe ich mir die Textstelle immer wieder vor Augen und versuche verzweifelt, mich zu erinnern, weshalb ich in diese eher unwichtigen Passage zwei Leichen hineingeschrieben habe. Und dass sie singen, macht die Lösung des Problems nicht einfacher.

Was habe ich mir nur dabei gedacht?

Und dann kommt mir der undenkbare Gedanke: Habe ich mir überhaupt etwas dabei gedacht?
Vermutlich nicht!
Vermutlich lag es an einem banalen Tippfehler.

Nicht zwei Leichen sangen, sondern zwei Lerchen …

So konnte mit kühlem Kopf und strukturiertem Vorgehen eine entscheidende Stelle des Romans gerettet werden.

Obwohl …
“ Auf den untersten Zweigen der Eiche hockten zwei Lerchen und sangen.“
Klingt nicht besonders aufregend. Ist auch nicht sehr originell. Vermutlich ist es am besten, diesen Satz komplett zu streichen.

Das Abenteuer beginnt …

So, Textverarbeitungsprogramm ist gestartet … alle Einstellungen zur Normseite sind getroffen … Unterlagen liegen parat … Fingerübungen sind gemacht … Wortzähler ist eingeschaltet … eigentlich kann’s losgehen …

Vor ein paar Tagen/Wochen habe ich etwas über das Plotten geschrieben. Mein Handlungsgerüst steht mittlerweile. Ich weiß, wo meine Geschichte startet, welche Wendungen sie nehmen soll und wie sie schließlich spektakulär endet!

Jetzt muss ich sie nur noch aufschreiben…

Und das beginnt mit einer leeren Seite und einer Menge Ungewissheit. Habe ich tatsächlich die Kondition für einen Roman? Spielen meine Figuren mit und halten sich an meinen Plot? Das ist nicht selbstverständlich, denn im Laufe des Schreibens können Figuren ein Eigenleben entwickeln…
Und das kann den ganzen Plot über den Haufen werfen…
Was diesen natürlich auch besser machen könnte…

Also ist alles doch noch unklar und ein Abenteuer. Aber den ersten Schritt muss man machen und der beginnt mit einer leeren Seite. Und es gibt ein Patentrezept, mit welchen Worten man dieses Abenteuer beginnt…

#Plotten: Langsam fügt es sich zusammen …

Im derzeitigen Stadium habe ich rund 60 Kapitel/Szenen geplant bei einer etwas zu großen Besetzung. Zwei schwache Figuren werde ich zu einer verschmelzen und sie damit interessanter gestalten. Andere stehen noch auf der ‚Abschussliste‘, aber vielleicht haben sie noch etwas anzubieten, was ich bisher nicht gesehen habe.

Den Plot habe ich mit ‚Papyrus Autor‘ gestaltet. Neben der reinen Textverarbeitung nutze ich hier die Figurendatenbank, um das Wichtigste zu meinen Charakteren festzuhalten.
Auch den Zeitstrahl habe ich erstmals eingesetzt. Da mein Thriller vermutlich in einem Zeitraum von nur wenigen Tagen spielt und zwei Handlungsstränge zum Teil parallel verlaufen, konnte ich dies gut darstellen. Außerdem habe ich dabei festgestellt, dass ich meinem Personal nachts Ruhepausen gönnen sollte.

Beim Plotten tauchen immer wieder neue Fragen auf, die geklärt und recherchiert werden müssen. Und bei jedem Lesen des Plots erscheinen Ungereimtheiten, bei denen ich mich nicht darauf verlassen möchte, dass ich sie beim Schreiben nebenbei erledige.
Also werde ich meine Liste der offenen Punkte Stück für Stück abarbeiten, in der Hoffnung, dass sie irgendwann kürzer als der Plot ist.

Schwierig ist es nur, den Absprung zum Schreiben zu finden. Der amerikanische Autor Jeffery Deaver plottet acht Monate und verfasst danach in erheblich kürzerer Zeit seinen Thriller. Der schottische Krimiautor Ian Rankin plottet gar nicht, sondern schreibt eine grobe Rohfassung, recherchiert danach, und stellt dann seinen Krimi fertig.

Ich denke, ich werde noch ein paar Löcher im Plot stopfen und einige Figuren eliminieren…

Schreibtipp 8: Das Tal voller Wolken (Terry Pratchett, britischer Schriftsteller)

„Ich setze mich nicht hin und plane ein Buch, bevor ich es schreibe. Ich nenne mein Vorgehen „Das Tal voller Wolken“.

Das Schreiben eines Romans ist, als wenn du aufbrichst, um ein Tal zu durchqueren. Das Tal ist voller Nebel, aber du kannst hier und da die Spitzen eines Baumes sehen. Und mit ein wenig Glück kannst du sogar die andere Seite des Tals erkennen. Aber du kannst nicht durch den Nebel auf den Grund des Tals blicken. Trotzdem gehst du los, in Richtung des ersten Baumes.“

(Aus Claire E. White: A Conversation with Terry Pratchett)

#Plotten Teil 1: Erste Belastungsprobe für Ideen

Plotten ist keine besondere Technik, um Trachtenstrümpfe zu stricken, sondern man versteht darunter, das Handlungsgerüst eines Romans zu erstellen. Ich versuche dabei, parallel Haupt- und Nebenfiguren zu entwickeln und einzelne Szenen kurz zu beschreiben.

Bei den Figuren trage ich zusammen, wie ich sie mir physisch vorstelle, aber auch welche besonderen Ziele sie haben und was sie antreibt. Auch Konflikte, die sie mit anderen Personen haben könnten, sammele ich stichwortartig, denn Konflikte versprechen Spannung. Aus diesen Figuren, ihren Eigenschaften und Konflikten entstehen Szenenideen., die ich notiere. Und es funktioniert genauso umgekehrt: aus einer Idee für eine Szene können sich neue Figuren herauskristallisieren bzw. Figuren können ganz neue Eigenschaften entfalten.

Zurzeit notiere ich diese Ideen auf Zetteln, mische sie, trage sie in Worddokumenten zusammen und sinniere regelmäßig, ob ich diese oder jene Figur früher oder später sterben lasse. Der fertige Plot soll dann tatsächlich alles Notwendige enthalten und den roten Faden darstellen, der den Roman von einem spannenden Anfang bis zu einem überraschenden Ende führen soll.

Aber im Moment ist der Plot noch ungeordnet und wild.

Meine Darstellerliste umfasst zurzeit 21 Personen, und ich bin mir nicht sicher, ob ich mit einem so großen Rudel klarkomme. Ich habe zwar die feste Absicht, die Besetzung im Laufe des Romans dezimieren, aber kann ich den Leser bei der Stange halten? Und ist mein Thema so stark, dass es mich selber antreibt, es weiter zu entwickeln?

Alles noch unklar, aber auch spannend …

Das Blatt ist leer, Ideen müssen her …

… okay, das mit dem Dichten lasse ich besser!

Vor ein paar Tagen habe ich über die Jagd nach Ideen für eine Geschichte geschrieben. Wie aber weiß man, ob diese Idee nun auch wirklich zündet, wenn man Handlung und Figuren hinzufügt?

Meiner Meinung nach heißt das Zauberwort ‚Recherche‘.

Nehmen wir mal an, wie aus heiterem Himmel setzt sich das Thema ‚Pandemie‘ im Hirn fest. Mein erster Weg geht meistens zu Wikipedia. Ich lese den Artikel, folge den vorhandenen Links und ziehe immer weitere Kreise. Möglicherweise lande ich in einer Sackgasse, vielleicht treffe ich aber auf weitere Themen, die in die Geschichte passen könnten und Spannung versprechen.

Da Thriller von Konflikten leben, suche ich ganz bewusst nach solchen Hinweisen. Zum Beispiel gibt es Wissenschaftler, die sich der Erforschung eines neu aufgetauchten Virus widmen. Geschäftsleute wollen mit Heilmitteln Geld verdienen, Militärs sehen in einem Virus ungeahntes Potential, andere erkennen darin eine Strafe Gottes und bereiten sich auf den Weltuntergang vor. Wieder andere leugnen schlicht die Existenz.

Ich notiere mir solche Spannungsquellen. Mein Recherchematerial speichere ich als PDF-Dokument, drucke es mir aber auf Papier aus, um es zu bearbeiten, darin herumzumalen und Passagen zu markieren.

Wenn ich das Thema immer noch interessant finde und immer mehr zu der Überzeugung komme, es steckt eine spannende Geschichte darin, suche ich andere Quellen.

Ohne sich unnötig bewegen zu müssen, kann ich empfehlen:

  • Mediatheken
  • Audiotheken
  • Youtube, wobei keine Quelle zu dämlich ist, als dass dort nicht etwas Verwertbares enthalten sein könnte.

Immer noch fasziniert von dem Thema? Schon ein paar spannende Szenen, Konflikte oder interessante Figuren vor Augen?

Bei meiner Idee, die übrigens nicht um das Thema ‚Virus‘ kreist, ist es jedenfalls so, und ich arbeite mich nun durch mein gesammeltes Material, um den nächsten Schritt zu unternehmen: das Plotten!

Das erste Exemplar …

… klare Form, ausdrucksstarkes Design, liegt gut in der Hand.

Ich kann schon probeblättern, in drei Wochen ist das Buch im Handel.

Vielen Dank an Verlag, Lektorat und die Helferinnen und Helfer im Hintergrund.

Recherche Sommer 2019

Ein paar Eindrücke von umfangreichen und anstrengenden Recherchen für den nächsten Krimi, Kurzkrimi, Reiseführer oder was auch immer…

Wohin das führt? Keine Ahnung!

Schreibtipps von Peter James (britischer Thrillerautor)

Die Website Bookstr.com veröffentlichte ein ausführliches Interview mit dem britischen Thrillerautor Peter James.
Das komplette Interview ist unter folgendem Link nachzulesen:
https://bookstr.com/article/master-thriller-writer-peter-james-reveals-the-fascinating-inspiration-behind-his-explosive-new-novel-absolute-proof-killer-writing-tips-and-more/

Hier in der Übersetzung nun die Antworten auf zwei Fragen, die Thrillerautoren bewegen:

Frage: Welchen Rat können Sie angehenden Thrillerautoren oder aufstrebenden Schriftstellern allgemein geben?

Peter James: Mein erster Rat ist: Lesen, lesen und nochmals lesen Sie die Art von Büchern, die Sie selber schreiben wollen. Ich glaube, man muss das Schreiben als Handwerk ansehen. (…) Ich nehme die Bücher, die ich wirklich liebe, buchstäblich auseinander.
Wie hat der Autor mich an den Haken bekommen? Wie hat er mich dazu bekommen, dass ich die Seiten weiter umblättern wollte?
Das Wichtigste ist, begeistert zu lesen und erfolgreiche Bücher aus dem Genre zu lesen, in dem man selber schreiben will. Ich glaube, das ist absolut grundlegend.

Frage: Was ist der Schlüssel für einen großartigen Thriller?

Peter James: Figuren. Ich glaube, es gibt eine untrennbare Dreiheit in jedem großen Thriller: Figuren, Recherche und Plot.
Ich setze sie ganz bewusst in diese Reihenfolge, weil wir in erster Linie Bücher lesen, um herauszufinden, was mit den Charakteren geschieht, die wir kennenlernen und auf die wir uns auf der ersten Seite einlassen. Es müssen keine ’netten‘ Leute sein, aber sie müssen uns beschäftigen und faszinieren.
Hannibal Lecter im ‚Schweigen der Lämmer‘ ist kein netter Charakter, aber er beschäftigt uns.
Recherche kommt an die zweite Stelle, weil Leser klug sind. Ich glaube, wenn wir lesen, dann möchten wir nicht nur eine großartige Geschichte lesen, sondern wir möchten etwas über die Natur des Menschen und die Welt, in der wir leben, lernen. Und man merkt sehr schnell, ob ein Autor sich in seinem Thema nicht auskennt. (…)
Der Plot ist offensichtlich wichtig, aber wenn man sich nicht für die Figuren interessiert, und man nicht glaubt, dass der Autor seine Recherche erledigt hat, ist der Plot nicht von Bedeutung, weil man nicht weiter liest.

Die besten Tipps, die ich geben kann, sind :

  1. Erschaffe Charaktere, die einen beschäftigen!
  2. Recherchiere alle Aspekte, über die du schreibst!
  3. Du musst das Ende kennen, auf dass du hinsteuern willst. Das finde ich enorm hilfreich. Es mag sich ändern, wenn ich mich dem Ende nähere, aber es gibt mir einen Punkt am Horizont, auf den ich zusteuern kann.
  4. Denke an eine Reihe von Höhepunkten in deinem Buch! Und sorge dafür, dass jeder größer ist als der vorhergehende!
  5. Schreibe sechs Tage in der Woche! Es ist wichtig, in einen Schreibfluss zu kommen. Finde eine Anzahl von Wörtern, die du jeden Tag schreiben kannst, egal ob 200 oder 2000 Wörter, und halte daran fest, weil dich das in den richtigen Rhythmus bringen wird und schließlich …
  6. Habe Spaß! Wenn du gerne schreibst, wird man das als Leser erkennen.
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