Recherche: Ein Männlein liegt im Walde …

Recherche bedeutet auch, die eigene Komfortzone zu verlassen und wieder einmal Natur richtig zu erleben. Wenn man der alltäglichen Frage nachgeht, ob es möglich ist, z.B. einen menschlichen Körper nachhaltig im Waldboden zu verscharren, kommt man nicht darum herum, das auszuprobieren. Die Leser wollen ernst genommen werden und erwarten zu Recht, dass der Autor alles Mögliche tut, damit seine Geschichte einem Realitätscheck standhält.

Zwar hat mich beim letzten Waldspaziergang meine Familie verwundert angesehen, als ich mit einem Spaten losgezogen und ständig vom Weg gesprungen bin, um eine „geeignete Stelle“ zu finden. Aber sie ist Kummer gewohnt und hilft mir gerne mit guten Ratschlägen weiter, wie beispielsweise dem Hinweis, dass die Pilzsaison noch nicht begonnen hat.

In solchen Phasen muss man souverän bleiben. Logische Erklärungen helfen weiter. Also sage ich in aller Ruhe, dass gute Recherche notwendig ist, nur ein bisschen Zeit, Geduld und guten Willen kostet und dass – verdammt noch mal – mir jemand endlich helfen soll, mich aus dem verfluchten Dornengestrüpp zu befreien!

Um aber auf die Ausgangsfrage zurückzukommen: Man muss schon lange suchen, bis man die richtige Stelle gefunden hat. Und es ist Knochenarbeit, sich durch Wurzelwerk tief genug zu graben, um erfolgreich …. na, Sie wissen schon!

Auf jeden Fall nichts für einen gemütlichen Sonntagsspaziergang.

Recherche …

… zählt zu den angenehmsten Aufgaben bei einem Buchprojekt. Typischerweise fliegt man auf die Bahamas oder trinkt sich durch die angesagtesten Bars oder erlebt die angenehmen Seiten einer Luxuskreuzfahrt. Und der Steuerzahler beteiligt sich an den Kosten.
Bedauerlicherweise ist das in Coronazeiten schwierig, und wenn der eigene Romanheld nicht gerade James Bond heißt und die Welt retten muss, spielt auch das Finanzamt vermutlich nicht mit.

Somit bleibt nichts anderes übrig, als innerhalb des persönlich zugeteilten Corona-Risikogebiets unter Beachtung aller denkbaren Schutzmaßnahmen Ortsrecherche zu betreiben.

Das Foto zeigt auf jeden Fall schon einmal, dass mein Projekt vermutlich kein Liebesroman wird.

 In loser Folge werde ich weitere Fotos von Tatorten präsentieren… wenn ich die entsprechenden Szenen nicht im Laufe der Bearbeitung streiche … vielleicht um doch eine Szene auf den Bahamas spielen zu lassen…

Schreibtipps von T. C. Boyle

Autorenfoto: (c) Peter-Andreas Hassiepen

„Schreiben ist harte Arbeit. Es lässt dich schwitzen, baut deine Muskulatur auf und ist ein echtes Herz-Kreislauf-Training (wenn du es mit einem 10-Meilen-Lauf verbindest, und zwar jeden Tag).“

So beginnt der amerikanische Schriftsteller T.C. Boyle in einem Beitrag für „Publishers Weekly“ mit der Vorstellung von fünf Schreibtipps.

Der komplette Beitrag ist hier zu lesen.

Im Folgenden einige Zitate in deutscher Übersetzung:

1. Prozak (der amerikanische Name für ein Antidepressivum; A.d.Ü.)
… Ich würde dazu raten, ohne solche Krücken zu schreiben, wenn du es schaffst. Manchmal kann ein leichter Schlag mit einem Hammer, mit Bedacht auf die Schädelbasis ausgeführt, schon genügen, um den kreativen Prozess zu starten. …

2. Die 375er Magnum
Da alle Schriftsteller manisch-depressiv, Alkoholiker und Drogenabhängige sind, ist es immer hilfreich, eine geladene Pistole auf deinem Schreibtisch liegen zu haben, vielleicht neben dem Hammer. … Das ist ein Ansporn zur Kreativität und natürlich die ultimative Lösung für eine Schreibblockade.

3. Musik
… Probiere es aus. Beginne mit Mozarts ‚Requiem‘, wie ich es oft tue, wiederhole es mindestens 10.000 Mal und höchstwahrscheinlich wirst du feststellen, dass du den perfekten ersten Satz deines 800-Seiten-Romans hast, der dich anstarrt.

4. Der Schleifstein
Egal, wie hoffnungslos es ist, du musst weiterschmieden. … Kämpfe weiter. Täglich. Solange du es aushalten kannst. Widerstehe der Versuchung, Golf zu spielen oder zu stricken oder mehr als einen oder zwei Drinks in deiner Freizeit zu trinken. Tatsächlich hast du keine Freizeit mehr. Wenn du sehr, sehr viel Glück hast, wirst du den Schlüssel entdecken und alles wird an Ort und Stelle fallen.

5. Tod
… Schreiben ist eine Möglichkeit, das Todesurteil für so viele Stunden am Tag zu vergessen. Bewahre diese Stunden auf, denn – glaube mir – sie werden nicht ewig dauern.

Schreibratgeber 4: „Wort für Wort“ von Elizabeth George

„Die Kunst, ein gutes Buch zu schreiben“ lautet der Untertitel des Buches der US-amerikanischen Krimiautorin Elizabeth George. Ich habe ihren Ratgeber vor einigen Jahren eher zufällig gefunden, denn in der Buchhandlung stehen im Regal für Scheibnerds meist andere Titel. Aber Elizabeth George hat zu dem Thema einiges zu sagen. Sie hat etwa 25 Kriminalromane veröffentlicht, und ihrem Ratgeber merkt man an, dass sie ihr Handwerk versteht.

Sie geht auf die Grundlagen von der Idee über den Plot, Rohfassung und Überarbeitung ein und illustriert die einzelnen Schritte mit Beispielen. Besonders inspirierend ist dabei der vierzehnte Schritt des Arbeitsprozesses: „Champagner! Ihr habt einen Roman geschrieben.“

Der Ratgeber erschien 2004 bei Goldmann und ist meines Wissens nur noch antiquarisch zu erwerben.

Fette Beute …



… 25 cm hoch, 4380 Gramm schwer und 3.301 Seiten stark, das ist meine Weihnachtsausbeute. Ich muss wohl ziemlich brav gewesen sein.

Die Frage ist natürlich, wie ich den Stapel abarbeite. Von oben nach unten? Oder umgekehrt? Oder einfach mal reingreifen und sich überraschen lassen?

Was meint ihr?



Um die Entscheidung zu erleichtern, hier mal ein Blick auf die Buchrücken…

Last Christmas …

… ist doch gefühlt noch gar nicht so lange her. Und das, obwohl die Welt scheinbar einmal auf links gekrempelt wurde.

Die letzten zwölf Monate waren vermutlich für jeden ein spezielles Jahr mit neuen Herausforderungen. Und auch im nächsten Jahr brauchen wir noch Geduld und Zuversicht.

Genau das wünsche ich euch.
Habt ein schönes Weihnachtsfest und ein gutes Jahr 2021,
immer genügend Lesestoff,
und viel Spaß bei euren Schreibprojekten!

Novemberblues …

Dunkelheit, Nässe, Kontaktbeschränkung…

Genau die richtige Zeit für ein bisschen Lektüre und die ideale Gelegenheit, sich mit Plätzchen und Tee aufs Sofa zu setzen und Simon Harper bei seinem ersten Abenteuer (welches auch in einem ungemütlichen November spielt) zu begleiten (das war der Werbeblock!).

Dunkelheit, Nässe, Kontaktbeschränkung…

… ist auch die richtige Zeit, sich mit Plätzchen und Tee vor das Notebook zu setzen und weiter an der Rohfassung des nächsten Thriller über den Troubleshooter zu arbeiten. Die derzeitige Lage Harpers ist auch ziemlich ungemütlich, und ich lasse mich mal überraschen, ob er unbeschadet da herauskommt.

Mal abwarten und Tee trinken …

NaNoWriMo …

… hinter diesem kryptischen Kürzel verbirgt sich der National Novel Writing Month, und im November ist es wieder so weit, dass die Aktion, die hinter der Abkürzung steht, stattfindet.

Was steckt dahinter? Im November sollen Schreiber angespornt werden, bis zum Ende des Monats einen Roman mit mindestens 50.000 Wörtern zu schreiben. Den NaNoWriMo gibt es seit 1999 und kommt – natürlich – aus den USA. Ziel ist es, den inneren Zensor in diesem Monat auszuschalten und alles daranzusetzen, den Text zu schreiben. Autoren können sich außerdem vernetzen, gegenseitig ihr Leid klagen und anspornen, um ihr Ziel zu erreichen.

Die aktuelle Statistik für dieses Jahr zeigt, dass bisher knapp 800.000 Autoren teilnehmen und rund 370.000 Romane (zumindest in der Rohfassung) beendet wurden.

Wenn ich mein Schneckenschreibtempo für den Rohentwurf von 500 Wörtern pro Stunde zugrunde lege (ohne Rechtschreibprüfung, zufälliger Zeichensetzung und einer Qualität, die eher Glückssache ist), dann müsste ich täglich 3-4 Stunden schreiben. Dann könnte man schon neidisch werden …

Aber es wird nicht gejammert, zurück zu meinem Projekt: Mein Rohentwurf des zweiten Harper-Thrillers entfernt sich immer mehr vom geplanten Plot. Alles sehr spannend, aber ich muss sehen, dass meine Geschichte so langsam die Kurve kriegt und auf die Zielgeraden einbiegt. Mal sehen, wie das so funktioniert.

Aber das Wichtigste ist erst einmal … am Ball bleiben!

3 TageBuch- on stage

Trotz Corona fand vor gut vier Wochen in Wegberg ein kleines, gut organisiertes Literaturfest statt. Die Organisatoren stellten mit großer Umsicht einige Veranstaltungen auf die Beine, um auch in schwierigen Zeiten Bücherfreunden etwas bieten zu können.

Eine Veranstaltung gab auch regionalen Autoren eine Theater-Bühne.

Stuhl , Tisch, Mikrofon und Autor auf der einen Seite,
knapp 30 interessierte Zuhörer locker verteilt auf der anderen Seite,
vorher und nachher stoß-, diagonal- und querlüften-
so bietet man Corona die Stirn!

Buchmesse Frankfurt digital

Herbstzeit ist Buchmessezeit in Frankfurt. Auch in diesem verrückten Jahr findet sie statt, aus bekannten Gründen jedoch rein digital. Und das ermöglicht es jedem, dabei zu sein.
Für die meisten Leser war immer das Wochenende der Buchmesse interessant, da an diesen Tagen das Publikum zugelassen war. In diesem Jahr ist der Samstag als ‚Bookfest-digital‘ angekündigt mit einer Reihe von Live-Veranstaltungen. Dabei handelt es sich jedoch meistens um Zeitfenster von wenigen Minuten für jeden Programmpunkt. Für meine Verhältnisse etwas hektisch.
Trotzdem hier der Link zum Programm:
https://www.buchmesse.de/digitale-buchmesse/live-programm/bookfest-digital

Wesentlich geruhsamer geht es bei den Veranstaltungen, die unter dem Titel ‚Frankfurt Authors Programm‘ laufen. Seminare, Workshops, Interviews für Menschen, die gerne schreiben.
Auch hier der Link:
https://www.buchmesse.de/highlights/frankfurt-authors/programm

Ein Programmpunkt ist mir schon ans Herz gelegt worden:
‚Websites mit WordPress optimieren‘.
Naja, ob ich da noch etwas lernen kann?

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